Übers Bloggen und darüber immer online zu sein

Heute schreibe ich mal über das Bloggen oder besser über die Tatsache, dass ich als Blogger irgendwie das Gefühl habe immer online sein zu müssen um nichts zu verpassen.

Dieser Artikel hat ausnahmsweise nichts mit Stricken, Häkeln oder DIY zu tun, aber er handelt darüber wie ich mit meinem Blog und meinem Smartphone als Best Buddys oft in einer Art digitalen Parallelwelt lebe. Wie meine Work-Life Balance so aussieht, und warum ich im analogen Leben erstmal gar nicht klargekommen bin: Alles fing vor 3 Tagen an, als mein Handy kaputt ging.

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Jetzt denkst du vielleicht: “Nicht so schlimm!”. Für mich aber, ist es ein kurzer Ritt durch die analoge Hölle gewesen. Seit ich diesen Blog schreibe –  also seit Mai 2012 – bin ich quasi nicht mehr so richtig offline gewesen. Im April 2012 hatte ich mir ein Smartphone gekauft und dann gings auch gleich richtig los. Alle Fotos im ersten Blog-Jahr habe ich mit diesem Handy geschossen. Instagram, Facebook, Pinterest, alles habe ich seither mit dem kleinen Telefon bedient. Sein Speicher ist quasi mein Gehirn, oder umgekehrt. Jedenfalls sind wir eine Einheit, eine Allianz, die nun leider enden muss denn: Der Einschaltknopf ist abgebrochen. TicTacToe schrien damals: “Warum?” Und das mache ich auch.

Mein Handy war und ist zwar kein glänzendes Iphone, aber ich habe es geliebt. Und nun das: Ich kann es nicht mehr einschalten. Von nun an bleibt mein alter Freund und täglicher Begleiter zuhause, denn er muss Tag und Nacht am Strom hängen. Ginge das Telefon aus – ohne Anschaltknopf – wäre es das gewesen.

Hektisch habe ich direkt nach dem Einschaltknopf-Unfall alle Screenshots (die mache ich immer wenn mir etwas gefällt und ich darüber bloggen oder es Nachstricken will), Fotos, Kontakte auf meinen Computer geladen. Zu groß die Angst, dass mein Handy vielleicht für immer den Geist aufgibt und somit alle Infos für immer verloren sind. Das hat ewig gedauert, weil es sich dabei tatsächlich immer wieder in den Energiesparmodus verabschiedet hat (blöde Einstellung) und ich mit einer dünnen Stricknadel (kein Scherz – deshalb liebe ich nun Stricken umsomehr) in die Einschaltöffnung pieken musste, um es wieder zu aktivieren. Das war vielleicht nervenaufreibend.

Nachdem endlich alles gesichert war, habe ich mein Telefon vorsichtig zum Dauerladen auf den Schreibtisch gelegt und dort liegt es nun. Voll funktionstüchtig – aber nur direkt am Strom. Eine Art Handy-Intensivstation. Was also tun, wenn der beste Freund schlappmacht? Es einfach durch ein Nachfolgemodell ersetzen? Das hab ich tatsächlich versucht aber – wie es der Zufall so will – ist mein Anbieter zurzeit durch eine technische Panne nicht in der Lage meinen Vertrag zu verlängern. Das heißt, es gibt auch kein neues Handy. Okay…

Also hab ich es gewagt: Ich habe zum ersten Mal seit ich es besitze, das Haus ohne mein Smartphone verlassen. Auf der Straße und in der UBahn kam ich mir vor wie eine Ausserirdische. Alle (ausser ein paar Omis) haben dort nämlich ihr Handy in der Hand. Das merkt man aber erst, wenn man selbst keines mehr hat. Nun saß ich da und starrte ins Leere. Und plötzlich erkannte ich das ganze Ausmaß der Dinge: Kurzfristige Verabredungen fallen flach – ich kenne keine Telefonummern mehr auswendig. Wie das Wetter die nächsten 3 Tage wird weiß ich auch nicht mehr. Ich kann keine Whatsapp Nachricht mehr schreiben oder bekommen und ich kann auch nicht meinen Status auf Facebook ändern, nichts Lustiges auf Instagram posten oder kurz mal eine wichtige E-mail beantworten.

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Aber irgendwo zwischen diesen ganzen Horrorszenarien ist es dann passiert: Ich war plötzlich – ganz Tai Chi mäßig – im Hier und Jetzt. Ich habe im Park beobachtet wie sich Bäume im Wind wiegen (ehrlich wahr!), habe mir die Menschen auf der Straße angeschaut und wahrgenommen, dass das Nagelstudio bei mir nebenan neue Besitzer hat. Alles nichts weltbewegendes aber als ich nach Hause kam, war ich entspannt und erholt wie lange nicht. Ich hatte den ganzen langen Tag ohne Handy immer nur die Dinge getan, die ich wirklich getan habe. Und nicht 1000 andere Sachen noch nebenbei.

Früher – als ich noch MIT Handy war – ist es nicht selten vorgekommen, dass ich Leni vom Kindergarten abgeholt habe und auf dem Nachhauseweg oder beim Eisessen Emails gecheckt, telefoniert oder etwas gegoogelt habe. Immer mit latent schlechtem Gewissen, aber ich habs getan – in der Annahme, dass ich später keine Zeit dafür hätte oder, dass jemand ganz dringend auf meine Antwort wartet.

Und nun – OHNE Handy – weiß ich einfach gar nichts davon, dass jemand ganz dringend auf mich und meine Antwort wartet. Wie entspannend ist das denn? Ich muss nicht jedes schöne Erlebnis mit der Handykamera festhalten und ich muss nicht jede neue coole Idee in den diversen Netzwerken liken. Zumindest nicht sofort.

Jetzt komme ich abends – wie im Jahre 1985 – nach Hause und sehe erst dann meine 17(!) entgangenen Anrufe. 9 davon hatten sich – wie ich dann am Computer (nicht Handy) per email erfuhr schon wieder erledigt. Und ich finde es toll.

Natürlich werde ich mir ein neues Handy besorgen und meinen guten alten Freund (schnief) dann auch irgendwann für immer vom Netz nehmen. Aber diese Erfahrung, wie es ist ohne Handy herumzulaufen und dadurch irgendwie das wahre Leben zu sehen, will ich nicht missen.

Mit meinem neuen Handy werde ich das ab und zu einfach auch so machen: Zuhause lassen und erst abends schauen was passiert ist. Das ist wirklich eine tolle Erkenntniss für einen Menschen wie mich, der irgendwie immer online ist und dadurch vielleicht oft Dinge verpasst, die mit Sicherheit auch ihre Aufmerksamkeits-Berechtigung haben.

Was ich mit diesem langen Artikel eigentlich sagen wollte:

Es wird diesen Monat vorkommen, dass ich nicht sofort auf emails antworte und facebook und Instagram werden auch nicht immer up to date sein. Diese Auszeit gönne ich mir jetzt einfach mal, zumindest bis ich ein neues Telefon habe.

19 Responses to Übers Bloggen und darüber immer online zu sein

  1. Mino sagt:

    Hallo Jessica,
    ich war eine Woche im Urlaub und habe 8 Tage ohne Handy und Internet gelebt. Wir hatten dort zwar WLAN aber es war mir einfach egal….und es war gut so!
    Gruß Mino

  2. Maggy sagt:

    Hallo Jessica, herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis, dass man auch mal ein paar Tage ohne “freund” auskommen kann. Ist mir vor 14 Tagen auch passiert. Handy wurde mir gestohlen. Ja es ist nicht leicht ohne, aber mit ist besser. Ein “freund” muss man doch haben!!!!!!

  3. Nina sagt:

    Hallo Jessica,

    zeitweise hatte ich beim Lesen die Befürchtung, dass Du aufhören möchtest, diesen Blog zu schreiben!! Das ginge GAR NICHT!!
    Weniger schnelle Antworten und Updates seien Dir aber von ganzem Herzen gegönnt! Das ist ganz wichtig, zwischendurch rigoros die Augen vom Bildschirm zu nehmen.
    LG,
    Nina

  4. Astrid sagt:

    Liebe Jessica, ich wünsche Dir eine entspannende Offline-Zeit, es ist eine Sucht, man schaut ständig und ist immer & überall erreichbar. Seit ich mein neues Auto habe und sich dieses mit meinem Apfel verbindet, vergesse ich letzteres ständig im Auto und bin somit auch sehr oft offline…das ist voll schön & ich liebe es! Hab eine schöne Zeit. LG

  5. Tina B. sagt:

    Liebe Jessica, ich war heute bei einem Geburtstag und mußte feststellen, daß ich von 6 Frauen die einzige war, die nur ein Null-Acht-Fünfzig-Uralt-Tastenhandy habe, daß natürlich zuhause liegt, weil ich es nur als Notfallhandy benutze. Und natürlich kam ich heim und eröffnete “Ich will jetzt auch so was Modernes mit Whats app und Touchscreen. Ich bin ja überhaupt nicht auf dem Laufenden” *lach*….Naja, schaun wir Mal…die Dinger sind ja nicht gerade billig und bisher habe ich es auch nicht vermisst. Ganz liebe Grüße und weiterhin so entspannte Tage wünscht Dir Tina

  6. Vanessa sagt:

    Oh, ja, das was du schreibst, macht mich gerade sehr nachdenklich.
    Wir sollten es uns echt öfter mal bewusst machen (auch ohne kaputte Knöpfe), was das Handy mit uns macht, bzw. was wir alles mit dem Handy machen.

    Ich bin auch ein kleiner “Junkie” und habe zufällig das gleiche Smartphone wie du!

    Also – danke für diesen Blog – auch wenn er nicht von Wolle handelt! :)

    Auf einen Abend voll mit Häkelwerk – viele Grüße – Vanessa

  7. Ingrid sagt:

    Also ich schalte öfter mal mein Handy aus, das ist super entspannend und ich muss nicht immer erreichbar sein! Als ich mein Tablet noch hatte (ist mir herunterfallen voll auf die Fliesen), habe ich zu Hause auch immer man schnell nach den Mails geschaut. Mein Laptop hingegen schalte ich meist nur einmal am Tag an. Es gibt ein Leben ohne Computer, Handy etc.

  8. Franziska sagt:

    Dein Vorhaben finde ich klasse! Eigentlich schlimm, dass du es jetzt erst merkst was dir alles entgeht. Ich selbst habe mich bewusst gegen ein Smartphone entschieden und bin seit 8 Jahren glückliche Besitzerin eines Aufschiebehandys! Anrufen und SMS schreiben-das reicht mir. Gönne dir wirklich weiterhin mal einen Tag ohne deinen kleinen Freund. Falls ich mal eine Frage an dich habe und du erst viel später antwortest, dann werde ich denken, dass du gerade entspannt bist und mich für dich freuen!

  9. Carina sagt:

    Willkomen im Land der Dinosaurier :) Carina.

  10. Peg sagt:

    Das find ich richtig toll … gratuliere!!!

  11. Melanie sagt:

    Liebe Jessica!
    Ein herrliches ygefühl, oder?! Ich war auch schon in einem ähnlichen Dilemma und war erschrocken, wie “süchtig” ich bin. Jetzt geniesse ich Urlaube ganz bewusst ohne den ganzen Handykram.
    Ich wünsche dir also noch viele entspannte Momente im Hier und Jetzt. :)
    Lg

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