100 Prozent Wolle copyright Sam Carter

100% Wolle und ein Riesenschaf

Na sowas – ein Berliner Museum macht eine Ausstellung mit dem Titel „100% Wolle“ und Katrin hätte es fast verpasst. Ein Dank an Carina von häkelmonster.de, die sie daran erinnert hatte. Es scheint wohl doch etwas dran zu sein…an der berühmten Stilldemenz. Die Eröffnung der Ausstellung fand am Sonntag den 5. November statt und so dachte sich Katrin: Dann packe ich mal meine ganze Familie ein und fahre dort hin. Es war fantastisch zu sehen, wie viele Interessenten es für dieses Thema doch tatsächlich gibt, denn es war recht voll schon bei der Eröffnungsrede der Museumsdirektorin. Dann folgte ein Rundgang durch die Ausstellung.

Wir betreten die Ausstellung über die Räume des MEK-Museums (Museum für Europäische Kultur) durch einen Eingang, über dem ein vordachartig aussehendes Stricktuch hängt. Im Mittelpunkt des ersten Raumes steht eine echte Attraktion: Hier werden wir begrüßt von diesem absolut sehenswerten Riesenschaf, das gerne auch beklettert werden möchte. Die vielen Kinder am Eröffnungstag haben die Chance wirklich rege genutzt. Allerdings wollten sich das auch einige Erwachsene nicht entgehen lassen! Das Schaf mutet so wollig und kuschelig an – es erinnerte mich ein wenig an Fuchur – den weißen Drachen aus der Unendlichen Geschichte.

 

schoenstricken MEK 100%Wolle Schaf

 

Nachdem zunächst der Ursprung der Wolle im Mittelpunkt stand, werden im folgenden Raum die einzelnen Herstellungsverfahren von der Rohwolle zum Wollfaden präsentiert. Und zwar anhand großer Piktogramme an der Wand, unterstützt von multimedialer Erklärung an Bildschirmen aber auch mittels historischer Werkzeuge. Alle Erklärungs- und Begleittexte der Ausstellung sind sowohl in Deutsch als auch in Englisch ausgewiesen.

 

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Der nächste Raum befasst sich dann mit dem, was aus der Wolle gemacht werden kann: Also die Techniken rund ums Sticken, Weben, Häkeln und Stricken. Da wird dann jeder auch gleich zum Mitmachen animiert! Felsenartig steht mitten im Raum eine aus Rohholzplatten gefertigte Insel, die mit Arbeitstischen und Material bestückt ist. Auf Tablets findet man dann auch die passenden Anleitungsvideos. Wie eine Wolke hängen darüber verschiedene Strick-Modelle aus unterschiedlichen Kombinationen von Material oder aber auch mit einer ganz eigenen Geschichte. Diesen lauschen wir dann über die ebenfalls von oben hängenden Hörmuscheln.

 

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Im letzten Raum werden die Besucher auf eine etwas andere Weise mit der Realität der Kleidungsproduktion konfrontiert: Eine durchaus kritische Wahrnehmung unserer modernen Textilindustrie. Eine künstlerisch gestaltete 360° Videoinstallation befasst sich mit dem Thema und wirft dabei einen Blick auf Ethik, Gesellschaft und Umwelt, die durch eben diese Massenproduktion beeinflusst werden. Diese Installation regt sehr zum Denken an – man sollte sich hierfür etwas Zeit nehmen.

Dann entdecke ich noch eine Tafel:

Popkultur und Protest

Handarbeiten sind wieder in Mode. In Deutschland wird jährlich über eine Milliarde Euro für Zubehör ausgegeben. Es ist heute nicht mehr lebensnotwendig, Textilien selbst herzustellen. Die Freizeitbeschäftigung ermöglicht es aber, etwas Einzigartiges selbst zu schaffen. In Workshops und mit Videos können alte Handarbeitstechniken neu oder wieder erlernt werden. Aktive vernetzen sich über das Internet, tauschen sich aus und arbeiten gemeinsam. So verbreitete sich eine Form des gestrickten Protests weltweit: Beim urban knitting werden Laternenpfähle, Bäume oder Ampeln bestrickt. Manche Aktivistinnen und Aktivisten begreifen dieses yarn bombing als weibliche Form des Protests. Andere hinterfragen damit die Geschlechterrollen oder die Nutzung öffentlicher Räume.“

(Quelle: WANDTEXT DER AUSSTELLUNG „100 Prozent Wolle“ im Museum Europäischer Kulturen Berlin vom 5. November 2017 – 23. Juni 2019, Pressemappe vom 03.11.17)

Es ist schön, dass schoenstricken.de ein Teil dieser Popkultur sein darf – ohne Euch wär das nicht so!

Rund um die Ausstellung wird es auch einige Workshops geben sowie jeden Donnerstag ein StrickKAFFEE! im „eßkultur“ (ab dem 16. November, Arnimallee 23). Vielleicht sieht man sich ja mal!

Der Link zur Ausstellungsseite #100ProzentWolle

 

 schoenstricken MEK 100% Wolle


Alles zum Museum:
MEK Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin

 

 

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1Kommentar
  • Katha
    19.November um 17:11 Antworten

    Eine schöne Erinnerung, die Ausstellung möchte ich mir nämlich auch unbedingt noch ansehen!

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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