Geistiges Eigentum 1 schoenstricken.de

Die Sache mit dem Copyright

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Ja das ist wirklich so eine Sache mit dem Copyright! Wie kann man sein geistiges Gut schützen, vorallem wenn es im Internet mit Fotos und Strickanleitung gepostet wird? Das ist irgendwie schwer. Vor allem was passiert, wenn nur ein oder zwei Dinge aus deiner Strickanleitung leicht abgewandelt werden, Maschenzahl oder Träger (z.B. bei einer Tasche) oder die Reihenfolge der Muster aber fast gleich ist wie beim Original?

Ich schreibe diesen Post, weil es uns schon ein paar Mal passiert ist, dass Ideen – leicht abgewandelt – woanders aufgetaucht sind, und unter anderem Namen (ohne Hinweis auf uns) angeboten wurden. Ich selbst sehe das meist gar nicht, sondern werde ab und zu darauf aufmerksam gemacht.

Aber wie reagiert man darauf? Anschreiben? Rummeckern? Sich ärgern? Das richtet sich am Ende alles nur gegen einen selbst, dafür hab ich eigentlich keine Nerven muss ich gestehen. Also mache ich in den allermeisten Fällen gar nichts, und hoffe darauf, dass die meisten Leute angeben, woher ihre Inspiration (nenne ich es jetzt einmal) kommt.

Aber kann es tatsächlich sein, dass zwei Menschen – wohlmöglich noch auf zwei verschiedenen Kontinenten – die gleiche Idee haben?

Bis vor ein paar Tage hätte ich dir gesagt: Das ist Quatsch. Das gleiche Modell bedeutet immer, es ist geklaut. Aber bewusst geklaut und unbewusst geklaut – da gibt es tatsächlich Unterschiede. Und hier kommt eine unglaubliche Geschichte dazu:

Babynorwegermützen von schoenstricken.de collage

Worum es geht? Um unsere neuen Norwegermützen Kits (in den nächsten Tagen gibt es sie endlich in unserem kleinen Shop), die ich letzte Woche ausführlich hier und bei Instagram beworben hatte.

Jetzt springen wir ein bisschen in der Geschichte: Im Jahre 2009 kam eine Kundin in Katrins Wollladen und hatte eine Norweger-Mütze auf dem Kopf. Katrin war total begeistert von der Musterfolge und aus dem Gespräch ergab sich für Katrin, dass die Muster von der Frau selbst zusammengestellt waren. Eine schriftliche Strickanleitung gab es nicht, daher machte Katrin ein Foto, zählte die Maschen aus, änderte den Schnitt etwas ab und strickte die Mütze nach. Die Frau “erlaubte” ihr die Mützen zu verkaufen und so war für Katrin klar, dass es sich um eine ganz legale Angelegenheit mit Erlaubnis handelt, diese Mützen anzubieten.

Vor einigen Wochen ist uns eine dieser Norweger-Mützen wieder in die Hände gefallen und ich bat sie darum, Kindermützen mit dem Design daraus zu machen. Das haben wir getan und nun sind wir wieder an der Stelle angelangt, an der ich diese Mützen (die ich persönlich wunderschön finde! Vor allem der Farbverlauf ist doch ein Traum!) im Netz beworben habe. Es gab ja sogar eine Namensfindungs-Verlosung (oder Gewinnermittlung).

Baby Norwegermütze stricken bei schoenstricken.de

Jedenfalls poste ich vor einer Woche dieses Foto mit meiner Nichte Alina und der neuen kleinen Norwegermütze NORDSTERN bei Instagram. Am nächsten Morgen wache ich auf und dort unter dem Foto, steht bei Instagram als Kommentar (auf englisch) soviel wie: “Das ist meine Strickanleitung von 2007, bitte respektiere das Coypright!” Du kannst dir vorstellen, so schnell war ich noch nie aus dem Bett. Wie schrecklich! Das Herz ist mir sonstwohin gerutscht, aber nicht weil ich dachte ich hab etwas falsch gemacht. Vielmehr dachte ich: “Das ist ja eine freche Verleumnung! Und das auch noch Öffentlich. Ich und klauen? Niemals! Was denkt sie sich nur, soetwas zu schreiben?” Genau so hab ich ihr dann auch geantwortet (ein bisschen freundlicher schon!).

Danach hab ich gleich Katrin geschrieben und sie gebeten das Muster “Three Tames” von Angela Wu, das 2007 beim kanadischen Strickportal “Knitty” erschienen ist, mal näher unter die Lupe zu nehmen.

Three Tames Design by Angela Wu

Three Tames Design by Angela Wu

Und tatsächlich: Es war genau das Muster, das Katrin 2009 in ihrem Laden von der Mütze ihrer Kundin abgezählt hatte. Ein wenig anders, denn im Original ist es eine Baskenkappe.

Oh Mann – ein Riesenschock, denn keiner von uns hatte dieses Muster je bei Knitty gesehen, in den Augen von Angela Wu hatten wir aber ganz klar kopiert. Nur, dass wir eben statt einer Baskenkappe mit den gleichen Mustern eine Babymütze gestrickt hatten.

Jetzt konnte ich einmal spüren, wie es sich anfühlt, wenn man nicht beklaut wird sondern (wenn auch unschuldig) selbst in der Situation ist, sich erklären zu müssen.

Ich hab Angela Wu eine email geschrieben, mich entschuldigt und die Umstände erklärt. Sie war sehr freundlich und fand das glaub ich auch gut, dass ich ihr offen gesagt hatte, was im Jahre 2009 in einem kleinen Wolladen in Berlin-Charlottenburg passiert war.

Wir haben und so geeinigt, dass ich bei den Kindermützen darauf hinweise (hier und im Shop) wo und von wem das Muster ursprünglich das erste Mal erschienen ist. Im Gegenzug ist es für Angela ok, wenn wir die Musterfolge für die Babymützen verwenden. Es ist am Ende also alles gut und geregelt, trotzdem war das eine sehr intensive Erfahrung mit dem Copyright.

Ich weiß jetzt einfach, dass es tatsächlich zu Missverständnissen kommen kann, und nicht jeder, der etwas kopiert auch böse Absichten hat. Klar ist aber natürlich auch, dass man sich als Kreativ-Designer ärgert, wenn man viel Zeit und Liebe in eine (Kauf-) Anleitung investiert, und diese dann kopiert oder weitergeleitet wird. Das gilt auch absolut für englische Anleitungen, die einer kauft und übersetzt und dann frei ins Netz stellt oder per mail versendet. Vielleicht macht man sich gar keine Gedanken darüber, aber damit wird die Arbeit und eventuell sogar die Lebensgrundlage von kleinen Designern kaputt gemacht wird. Und das kann doch ziemlich sicher keiner wirklich wollen.

Die kreative Welt lebt durch ihre bunte Vielfalt, von kleinen und großen Designern. Es gibt eine Riesenauswahl an kostenlosem Material und Inspiration im Netz. Das bedeutet aber nicht, dass man alles nehmen und seinen eigenen Namen drauf schreiben kann. Denn das Design hat jemand anders erarbeitet, der den Respekt und das Feedback zu seinem Werk absolut verdient hat. Einfach nachmachen und für sein Eigenes ausgeben, ist am Ende nicht ok. Wenn 2 oder 3 Reihen bei der Strick – oder Häkelanleitung geändert wurden, ist es noch immer nicht dein oder mein Design. Auch wenn das rechtlich alles absolute Grauzone und ziemlich undurchschaubar ist.

Was ich gut fände wäre: Wenn eine Anleitung von uns verwendet wird (im Original oder leicht abgeändert), dass ein Hinweis erfolgt wie “gesehen bei” oder “inspiriert durch” schoenstricken.de. Im Netz gerne mit Link.

Baby Norwegermütze stricken schoenstricken.de

Norwegermütze für Kinder stricken schoenstricken.de

Das ist fair, dann ist klar wo die Idee herkommt und du kannst mit gutem Gewissen, stolz deine Arbeit präsentieren. So wie wir unsere neuen Norwegermützen NORDSTERN und STERNTALER, inspiriert durch das Design “Three Tames“, by Angela Wu.

Am Wochenende kann ich die Mützen nun endlich in den Shop stellen.

Ja und das war meine Geschichte zum Copyright und bewusst und unbewusst kopierten Anleitungen aus dem Netz. Vielleicht hast du ja auch schon eigene Erfahrungen mit diesem Thema gemacht. Dann kannst du sie hier gerne teilen!

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7 Kommentare
  • Sezierte Frösche, Copyright und die Sache mit dem schlechten Image von Handarbeit in Deutschland
    28.März um 11:53 Antworten

    […] Wer selber Anleitungen entwickelt, muss sich mit dem Thema Copyright beschäftigen. Dass das nicht immer ganz so einfach ist, hat Jessica neulich dargestellt. Spannende Sache – und vor allem sieht man, dass nicht immer eine böse Absicht dahinter stecken muss, wenn in dem Bereich mal etwas nicht so ganz rund läuft. Was dann hilft: Offen sein und mit den Betroffenen reden. Hier geht´s zum Text: Die Sache mit dem Copyright […]

  • JUDY
    15.März um 02:01 Antworten

    Also einen Blog Einklang (ohne Bindestrich) gab es auch schon vorher, und zwar seit 2009. Das zeigt schon, z. T. ist es echt sinnlos, um die Ideen zu streiten – die waren immer schon mal da. Gerade bei Strickmustern. Es gibt Strickbücher in unendlicher Zahl, seit Jahrzehnten (mindestens) und in aller Welt – kann mir keiner erzählen, dass man da was Neues erfinden kann. Auch diese A. Wu nicht.
    Das ist natürlich nur meine Meinung, von der Rechtslage hab ich keine Ahnung :-)
    LG Judy

  • Kathleen
    22.Februar um 23:31 Antworten

    Ich weiß leider nicht, wie es bei Strick- und Häkelanleitungen rechtlich geregelt ist, aber bei Kochrezepten gibt es z.B. tatsächlich Gerichtsurteile zum Thema. Dort ist es gestattet, wenn man Rezepte selbst übernimmt. Die Zubereitung darf man allerdings auch nicht 1:1 abschreiben, sondern muss sie in eigene Worte fassen. Die Gerichte haben wohl so geurteilt, weil es durchaus möglich ist, wenn zwei Menschen auf die gleiche Idee kommen.
    Grundsätzlich ist es bei solchen Sachen bestimmt immer besser, wenn man sich schriftlich absichert, dass man ein bestimmtes Muster verwenden darf. Denn letztendlich wisst ihr bestimmt auch nicht zu 100%, dass die Kundin von damals die Wahrheit gesagt hatte, oder?
    Ich bin bei sowas auch immer eher vorsichtig ;)
    Liebe Grüße
    Kathleen

  • Inge Gras
    22.Februar um 16:46 Antworten

    Hab vergessen zu schreiben,die Mütze,die du auf dem Bild aufhast und welche Farbe,die sieht einfach himmlisch aus! Inge

  • Inge Gras
    22.Februar um 16:44 Antworten

    Liebe Jessica,es tut mir leid,dass du so aufregende Tage hast! Mein Motto in allen Lebendslagen”alles wird gut”!!! Die hellblaue Mütze,welche ist das,die würde ich gerne nachstricken!Viele liebe Grüsse,Inge

  • ulrike
    22.Februar um 13:32 Antworten

    Ja, solche stories kenne ich nur allzu gut.
    Wenn z.B. Texte deiner homepage entnommen werden, und nicht mal ein wenig geändert auf die eigene Seit ekopiert werden.
    Oder wenn der Name der homepage einfach auf AN-Klang verändert wird, mit fast identen Inhalten.

    Vorerst: Wut, Aggreesion, verklage ich!

    Danach: toll, dass ich kopiert werde…dann muss ich also gut sein.

    Der markt ist groß genug für uns alle ist nun meine neue Haltung!

    Lieben Gruß
    Ulrike

    • Jessica
      22.Februar um 14:06 Antworten

      Danke fürs Teilen Ulrike. Ich denke auch, dass der Markt groß genug ist aber abschreiben ohne den Ursprung zu nennen, geht einfach nicht. Ich glaube man muss den Leuten ein bisschen die Augen dafür öffnen. Einen anderen Weg sehe ich im Moment auch nicht.

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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